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Configit Interview: Die Vorteile von Configuration Lifecycle Management (CLM)

Holger Senn | CLM Principal Consultant | Configit GmbH

Im Vorfeld des Online Events ScaleUp 360° Smartes Variantenmanagement haben wir uns mit Holger Senn, CLM Principal Consultant bei Configit, über die Vorteile und Implementierung von Configuration Lifecycle Management (CLM) unterhalten.

we.CONECT: Herr Senn, in Ihrem Webinar sprechen Sie über Kollaboratives Configuration Lifecycle Management (CLM) als Erfolgsfaktor für Fertigungsunternehmen mit Produkten “Losgröße 1“. Warum profitieren genau diese Unternehmen vom CLM-Ansatz?

Holger Senn: Die Anforderungen an genau diese Fertigungsunternehmen mit individuellen Variantenprodukten „Losgröße 1“ haben in den letzten Jahren immens zugenommen; – Jeder Kunde will heute sein individuell konfiguriertes Produkt innerhalb kürzester Lieferzeit zu einem günstigen Preis. Zudem steigt der Wettbewerbsdruck in globalen Absatzmärkten durch u.a. asiatische Anbieter.
Die Profiteure eines CLM sind deshalb die Unternehmen, die es geschafft haben, durch klar definierte Datenmodelle, harmonisierte Prozesse und eine integrierte IT-Systemlandschaft ihre Time-to-Market signifikant zu reduzieren. Wenn es dem Produktmanagement und dem Marketing auch noch gelingt, den Kunden auf allen (!) Vertriebskanälen in der Konfiguration komplexer Produkte und Services zu unterstützen, dann ist man bei Kundenbindung, Absatz und Marge ganz vorne mit dabei.

we.CONECT: Was müssen Unternehmen bei der Implementierung eines CLM beachten? Wo liegen hier die größten Herausforderungen?

Holger Senn: In der IT-Systemwelt findet derzeit ein gravierender Aufbruch statt. Die Variantenkonfiguration führender ERP-Anbieter beruht auf Datentechnik der 80er Jahre und taugt kaum zur Lösung aktueller oder zukünftiger Anforderungen. Beispielsweise hat SAP das ERP ECC 6.0 abgekündigt und zwingt die Firmen zu einer Migration auf neue Technologie-Plattformen wie S/4 Hana. Teilnehmer der AG Variantenkonfiguration der Deutschen SAP Anwendergruppe (DSAG) bemängeln zudem die Leistungsfähigkeit neuer Module im Konfigurationskontext und die bislang unzureichende Integration jüngster Akquisitionen in die gegenwärtige SAP-Architektur. Somit ist der Faktor ‚Zeit‘ die erste und zentrale Herausforderung.

we.CONECT: In welchem Zeitraum kann der Übergang zu einem Configuration Lifecycle Management (CLM) erfolgen? Gibt es hier Beispiele von Anwendern, die diesen Schritt bereits gewagt haben?

Holger Senn: Zunächst ist hier nicht die Frage, „ob“ man sich mit CLM beschäftigt, sondern „wann“. Einige TOP 100-Unternehmen haben CLM bereits weitgehend umgesetzt, andere sind mit der Configit CLM-Architektur auf dem Weg zu mehr Unabhängigkeit und Flexibilität. Man kann für die CLM-Transition insgesamt von einem Erfahrungswert zwischen 1-3 Jahren ausgehen. Der Start erfolgt in der Regel im Engineering oder im Sales, je nachdem, wo die „Quick Wins“ binnen eines Jahres zu erwarten sind. Das vorhandene Beziehungswissen wird aus PLM, ERP oder CPQ zusammengetragen und in die CLM-Plattform importiert, getestet, nachgearbeitet, die Konfiguratoren freigegeben und über standardisierte APIs den Konsumentensystemen bereitgestellt. Diese Systematik hat sich bewährt.

we.CONECT: we.CONECT: Welche Vorteile und positiven Auswirkungen können sich Unternehmen vom Einsatz eines CLM versprechen?

Holger Senn: Führende OEMs aus der Automobil- und IM&C-Industrie sind schön länger auf der „CLM-Journey“. Ergebnis: – Die PLM, ERP und Vertriebssysteme sind integriert, Daten synchronisiert, die Time-to-Market hat sich bei einem aktuellen Fahrzeugmodell von 36 auf 16 Monate halbiert, ein Anbieter von Industriemotoren und Elektronikkomponenten spart 1.5 Mio. Euro pro Jahr allein durch die Integration aller globalen Vertriebskanäle mit der PLM und ERP-Welt. Durch Analysen des gültigen Lösungsraums aller definierter Varianten eines Produktportfolios im Abgleich gegen die Stücklisten im ERP lassen sich zudem leicht Materialkosten durch Straffung der Variantenvielfalt in sechsstelliger Größe pro Jahr einsparen.

we.CONECT: Welche Trends werden sich beim Varianten- und Komplexitätsmanagement Ihrer Meinung nach durchsetzen?

Holger Senn: Die Modellierung muss einfacher werden, damit Mehrfachpflege oder die Fehleranfälligkeit in der Produkteinführung-, im Change Management wie auch später in der operativen Auftragsabwicklung entfällt und nicht länger die Domäne weniger IT-Experten bleibt.
„Servitization“, d.h. „Product as a Service“ als Vertriebsmodell, die einfache, übersichtliche Visualisierung komplexer Produktvarianten für Kunden und Vertriebspartner und im Backend die Konfiguration als Teil eines Model Based System Engineering … das sind die derzeit erkennbaren Trends.

we.CONECT: Vielen Dank, Herr Senn, für das Interview!

Holger Senn ist Sprecher bei ScaleUp 360° Smartes Variantenmanagement!

Wann: 11. Februar 2020, 09:30 Uhr

Webinarthema: Kollaboratives Configuration Lifecycle Management (CLM) als zentraler Erfolgfaktor von Fertigungsunternehmen mit Produkten “Losgröße 1“

In diesem Webinar erfahren Sie mehr über:
– Was sind die elementaren Grundlagen des Configuration Lifecycle Management (CLM)?
– Wohin gehen die Trends in der „Konfiguration 4.0“?
– Wie kann der Übergang vom Status Quo zu einem CLM erfolgen?

Weitere Informationen zu den Partnern bei ScaleUp 360°, Sprechern und Event Agenda,
finden Sie unter: www.scale-up-360.com/de/smartes-variantenmanagement